Die Fichte und der Klimawandel

Bedroht der Klimawandel die Fichte? Aus heutiger Sicht wird die Fichte in Österreich nur in wenigen Verbreitungsgebieten gefährdet sein. Richtige Bestandespflege und Durchforstung sind jedoch gefragt.

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© Agrarfoto
Knapp 90 % des in Österreich produzierten Schnittholzes ist aus Fichten erzeugt. Auch die Papier- und Plattenindustrie ist darauf eingerichtet, Nadelholz zu verbrauchen. Der Bedarf an Fichtenholz ist so groß, dass jedes Jahr etwa ein Drittel des Verbrauches importiert werden muss. Für Waldbauern gilt die Fichte als „Brotbaum“.

Der Wert dieser Baumart ist allen Beteiligten in der hölzernen Wertschöpfungskette bewusst. Daher wird die Klima-Erwärmung genau beobachtet und man sucht Möglichkeiten, damit die Fichte in Österreich nicht zurückgedrängt wird; so etwa neue Züchtungen, trockenresistente Sorten oder moderne Behandlungsmethoden in der Durchforstung. Manche Ideen reichen so weit, die Fichte gentechnisch von einem Flachwurzler zu einem Tiefwurzler zu verändern, damit mehr Wasser aufgenommen werden kann. Aus heutiger Sicht sind das allerdings Phantastereien.

Brotbaum der Waldbauern

Waldbaulich ist die Fichte leicht zu behandeln und hat gute Wuchsleistungen. Durch die hohe Nachfrage sind die Preise attraktiv. Die Fichte bringt daher die besten Erträge für die heimische Forstwirtschaft und wird nicht zu Unrecht als Brotbaum der Waldbauern bezeichnet.

Was sagt die Wissenschaft

Ein interessanter Beitrag zur Durchforstung von Fichtenbeständen stammt von Dr. Georg Kindermann und Dr. Thomas Ledermann (Institut für Waldwachstum und Waldbau des BFW). Fichtenbestände können unter anderem von Trockenstress, Windwurf, Schnee- und Eisbruch sowie Borkenkäfer betroffen sein. Um den Einfluss der Klimaveränderung quantitativ beschreiben zu können, wurde ein Modell entwickelt, welches die Wuchsleistung der Fichte für beliebige Klimaszenarien abschätzen kann.

Wenn die Prognosen der Erwärmungen eintreten (Temperatur +5° C, Niederschlag –20 %), dann könnte es Verschlechterungen für die Fichte in Teilen des Mühl- und Waldviertels, des Weinviertels, im Marchfeld und Burgenland sowie im Grazer und Klagenfurter Becken geben.

Die Untersuchungen zum Fichtenwachstum haben auch gezeigt, dass Dickungen und Stangenhölzer wesentlich weniger sensibel gegenüber Trockenheit reagieren als Verjüngung. Daher ist – solange keine zusätzliche Borkenkäferbelastung droht – nur bei extremen Klimaverschiebungen mit einer existenziellen Bedrohung von mittelalten Fichtenbeständen zu rechnen.

In einigen Regionen kann es aber auch Verbesserungen für die Fichte geben: Wo niedrige Temperaturen das Wachstum limitieren, zeigen alle Klimaszenarien einen Anstieg der Wuchsleistung. Die Fichte am Rande ihres derzeitigen Verbreitungsgebietes ist meistens sehr produktiv und zeigt eine hohe Wuchsleistung. Um die Fichte auf solchen Standorten auf veränderte Umweltbedingungen vorzubereiten, empfehlen die beiden Wissenschaftler eine frühzeitige Bestandespflege und eine kräftige Erstdurchforstung. Durch diese Maßnahmen werden Trockenstress-Situationen entschärft und die Entwicklung von Beständen mit vitalen und stabilen Bäumen gefördert. Solche Bestände sind widerstandsfähiger gegenüber Schnee- und Eisbruch, erreichen früher ihren Zieldurchmesser und sind dadurch weniger durch Windwurf gefährdet.

Ein positiver Nebeneffekt: Mehr Licht und Wasser erreichen den Waldboden. Dadurch wird die Streuumsetzung beschleunigt. Gepflegte Bestände bieten aufgrund der geringen Schadholzmengen auch kaum Angriffsmöglichkeiten für Borkenkäfer. Eine Senkung des Umtriebsalters ist natürlich auch eine wirtschaftliche Verbesserung.

Früh, stark und selten durchforstet

Das mehr als 170 Jahre alte Durchforstungsprinzip „Früh, mäßig, oft” hat nun seine Gültigkeit verloren. In Nadelholzbeständen wird es durch das Prinzip „Früh, stark, selten“ abgelöst. Dort, wo die Fichte auch in Zukunft gute Wuchsbedingungen vorfindet und wo auch künftig Aufforstungen durchgeführt werden sollen, ist auf ein geeignetes Pflanzverfahren zu achten, dass sehr sorgfältig durchgeführt werden muss.

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Autor:
DI Reinhard Pfeffer, RWA