NÖ Süd: Schwarzkiefer bedroht

„Borkenkäfer“ und „Eschensterben“ beherrschen momentan die forstliche Gemeinschaft. Aufgrund der lokalen Bedeutung findet dagegen das Schwarzkiefersterben im südlichen Niederösterreich nur wenig Beachtung.

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© RWA
Lange Zeit stellten die Gewinnung und Verarbeitung des Baumharzes („Pech“) der Schwarzföhre die wirtschaftliche Lebensgrundlage vieler Familien im südlichen Niederösterreich dar. Nach dem Niedergang der Berufspecherei in den 1970er Jahren hatte der Wert der Schwarzföhre für die Menschen der Region stark abgenommen. Die wohl bekannteste Verwendung des Holzes ist die für den Stiegen- und Bühnenbau: Durch den vergleichsweise hohen Harzgehalt wird dabei das für Holz typische Knarren bei sich aneinander reibenden Holzteilen vermieden.

Pilz als Krankheitsverursacher

Leider beherrschen nun braune Nadeln, abgestorbene Triebe, Äste und ganze Kronen in leuchtendem Rostbraun das Waldbild im Wiener Neustädter Becken, im Triesting- und Piestingtal. Der Grund für diese offensichtliche Krankheit ist der Pilz Diplodia sapinea, der in vitalen Kiefern leben kann, ohne Schäden zu verursachen. Wenn der Baum bei lang anhaltender Trockenheit Stress ausgesetzt ist, wechselt der Pilz zur aggressiven, krankheitsverursachenden Phase. Dann bringt er zunächst Triebe und Zweige, schließlich ganze Äste und Kronenpartien zum Absterben, und es kommt zu einer massiven Ausbreitung der Krankheit.

Was kann man dagegen machen?

Experten sehen vor allem die vorbeugende Waldhygiene als wichtiges Element, um die Stabilität und die Vitalität der Bestände erhalten zu können. Dabei rät man, stark befallene Bäume samt allen Ästen möglichst aus dem Wald zu entfernen. Werden die Maßnahmen rechtzeitig – mit größeren Mengen ABC-Holz – ergriffen, kann in den meisten Fällen kostendeckend oder leicht positiv gearbeitet werden. Ist der Befall fortgeschritten und kommt es in Folge zu einem Befall anderer Schädlinge, nimmt die Entwertung des Holzes und die Gefährdung der bislang noch gesunden Waldbestände ihren Lauf.

Viele Waldbesitzer fragen sich, ob eine Wiederaufforstung mit der Schwarzkiefer sinnvoll ist. Forstexperten raten, so oft als möglich die Schwarzkiefer zu erhalten und gleichzeitig die Wälder schädlingsresistenter zu gestalten. Das bedeutet, dass auch Laubhölzer im nötigen Umfang berücksichtigt werden sollten.

Preisverfall bei Kieferholz

Da der Holzmarkt momentan durch Fichtenschadholz geprägt ist, konnte auch der Preisverfall für Kiefer nicht gestoppt werden. Gut 20 % sind die Kiefernpreise gegenüber den Spitzen eingebrochen, was für die geschädigten Waldbesitzer äußerst bitter ist.

Wissenswertes - Schwarzkiefer im südl. NÖ

Die Schwarzkiefer ist in der Region Steinfeld um Wiener Neustadt verwurzelt wie kein anderer Baum. Sie hat am nordöstlichen Alpenrand ihre nördlichste Verbreitung. Mehr als 800 Jahre alte Bäume lassen vermuten, dass die Baumart hier sogar die letzte Eiszeit überdauert haben könnte. Angebaut wird sie nachweislich seit dem frühen 16. Jahrhundert im Auftrag von Kaiser Maximilian I., der den Wiener Neustädter Föhrenwald begründen ließ. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts gab es wieder zyklische Aufforstungswellen bis in die 1960iger Jahre.